Drucken
 

Peseckendorf

Vorschaubild

HH: 80m "Es liegt ein Dorf im Bördeland" steht über einem vergilbten Zeitungsartikel aus der Bode-Zeitung von 1920, in dem sich der Autor an seinen Besuch in Peseckendorf erinnert. Urkundlich wurde der Ort erstmals im Jahr 1086 erwähnt. Da die Äcker um Peseckendorf schon immer sehr fruchtbar waren, ist die Geschichte des Dorfes ein ständiger Besitzerwechsel. Reiche und arme Ritter, Domkirche und Klöster zwischen Magdeburg, Halberstadt und Quedlingburg stritten sich ausgiebig um das Gut. 1262 erwarb das Domkapitol in Magdeburg das Zehntrecht. Im 15. Jahrhundert hatte das Wahlbecker Stift die nicht unbedeutende Ländereien zu eigen. 1463 erhielt es dann derer von Asseburg zu Lehen. 1494 ist das Kirchdorf Peseckendorf ebenso eine Wüstung, wie viele kleinen Dörfer ringsherum, deren Namen die Zeit verweht hat und die nur den Historikern bekannt sind. Busso von Asseburg versah 1617 sein Gut mit starken Wällen und Gräben, die ihm im Dreißigjährigen Krieg sicher sehr zu statten kamen. 1857 ließ der damalige Rittergutsbesitzer Hermann Degener die Kapelle im Dorf errichten, im romantischen Stil mit je drei Backsteinfenstern an den Längsseiten. Die Glocke im Dachreiter war von außen mit einem Strick zu läuten. Sicherlich wurde auch zu dieser Zeit die vorhandene Gehölzansammlung in einen großen Landschaftspark umgestaltet. Neben drei unterschiedlich großen Teichen befinden sich im 7,5 Hektar großen Park vier Aufschüttungen. Drei dieser Hügel werden von mächtigen Kastanien bzw. Buchen gekrönt. Auf dem vierten Hügel steht ein über 100 Jahre alter Wasserturm, dicht daneben ein Schachtbrunnen mit begehbarer Wasserentnahmestelle. Das prächtige Renaissance- Schloss war 1840 unbewohnt. Es wurde später abgerissen, und der Gutsherr Friedrich Schaeper ließ es 1905-1912 durch ein neues Herrenhaus im Neobarock ersetzen ( Architek Dr. Schultze aus Naumburg). Die Steinskulpturen " Die vier Jahreszeiten", die das Säulenportal schmückten wurden 1912 vom Bildhauer Georg Kolbe geschaffen. Sie befinden sich heute im Bördemuseum Ummendorf. Nach der Wende wandelten sich die landwirtschaftlichen Betrieben in Gesellschaften um und sicherten dadurch einige Arbeitsplätze. Das Herrenhaus der Familie Schaeper setzte seine Tradition fort. In den letzten Jahren vor der Wende als Kinderheim genutzt, beherbergt das Haus, auf Grund seines Baustiles als " Sanccouci der Börde" bezeichnet, die Landesjugend- bildungsstätte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen- Anhalts. Das Gutshaus wurde neu renoviert und ist prachtvoller als je zuvor. Seit 2000 findet im Park unter Regie der Landesbildungsstätte im Sommer ein Open Air Festival statt. So erfreuten bereits Irische Volksmusik, Mittelalter- Folkrock oder The Blues Jackets die vielen Gäste. Die zur Tradition gewordene Veranstaltung lockt nicht nur die Bördeländer in den kleinen Ort. Erste sanierte Häuser und schön gepflasterte Straßen und Fußwege sind Zeichen dafür, dass sich das Dorf weiter entwickelt. Sechs Einfamilienhäuser sind entstanden. Die Peseckendorfer stecken Geld und viel Initiative in ihre Häuser und Grundstücke. Schmucke Fassaden, neu eingedeckte Dächer und gepflegte Vorgärten zeugen vom Wohlbefinden und Verbundenheit mit dem Heimatdorf. Auch die kleine Kappelle wurde aus ihrem Schlaf geweckt. Zwischenzeitlich erhielt sie eine neue Dacheindeckung, der Innenraum wurde gemalt und die Glocke erklang 2003 wieder nach jahrelangem Schlaf. So ist Peseckendorf, ein kleines ruhiges Dorf im Herzen der Börde, das immer mal wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. (nach Frau Frehde)